Digitale Kommunikation in Organisationen und Institutionen

Der Sprachgebrauch in institutionellen und organisationalen Kontexten – von der behördlichen Bürgerkommunikation über die Interaktion zwischen Arzt/Ärztin und Patient/Patientin bis zu „Leitbild“ und „Meetings“ in Wirtschaftsunternehmen – stellt einen zentralen Gegenstandsbereich der Angewandten Linguistik dar, der von der Digitalisierung tiefgreifend betroffen ist. In jüngster Zeit wurde der Forschungsstand durch mehrere einschlägige Handbücher systematisch dokumentiert, und zwar unter fachdidaktischen wie auch unter fachwissenschaftlichen Perspektiven (etwa Efing/Kiefer 2018, Habscheid, Müller, Thörle & Wilton 2018). Eine (digitale) Aufbereitung dieser Wissensbestände für das akademische Studium ist dagegen noch weitgehend ein Desiderat. Das DigGer-Teilprojekt „Digitale Kommunikation in Organisationen und Institutionen“ umfasst fünf Lernarrangements, die multimedial ausgestaltet werden. Die daraus entstehenden Lehr-Lern-Ressourcen lassen sich folgenden Bereichen zuordnen:

  • Bürokratie, Schriftlichkeit, Digitalisierung: u.a. Sprachgebrauch im Spannungsfeld von Rationalisierung und Situation; „Workarounds“ und sprachliche Kreativität;
  • Interaktion, Mündlichkeit, Digitalisierung: u.a. Besprechungen und kommunikative Entscheidungsprozesse; Sprachgebrauch in mediengestützter und -vermittelter Kommunikationsarbeit;
  • Sprachpolitik, Sprachenmanagement und Mehrsprachigkeit im organisationalen Alltag: u.a. Analyse und Gestaltung des Sprachverhaltens in mehrsprachigen Konstellationen; Corporate Language und Maßnahmen eines betrieblichen Sprachenmanagements;
  • Identität, Kultur, Beziehung – Sinnvermittlung und Orientierung durch Sprache: u.a. jüngere Ansätze der Unternehmenskommunikation; vergleichende Analyse von Leitbildern und Texten in Mitarbeitermedien und Geschäftsberichten;
  • Sprachgebrauch im Kontext der Risiko- und Krisenkommunikation: u.a. kommunikative Strategien und Textsorten, Vergleich von Ratgeberliteratur und Forschungsempirie.

In jedes der fünf Lernarrangements werden Interviews mit Expert*innen eingebunden, die das Thema exemplarisch einführen bzw. vertiefen oder einen eigenen Ansatz vorstellen und sich damit im Forschungsfeld positionieren.

Neben einem Verständnis der fachlichen Inhalte erwerben die Studierenden in jedem Lernarrangement methodische Fertigkeiten der Datenaufbereitung und/oder -auswertung: z.B. empirische Methoden der Angewandten Gesprächsforschung und der medienlinguistischen Untersuchung organisationaler Kommunikation; das Durchführen und Auswerten von Leitfadeninterviews; die (vergleichende) Analyse von Fallbeispielen etc.

Die Studierenden sollen auf diese Weise im Sinne eines „Forschenden Lernens“ dazu befähigt werden, eigene Studienprojekte zu konzipieren, durchzuführen und computergestützt auszuwerten. Anregungen und Anleitungen dazu finden sich in den einzelnen Lernarrangements, z.B. die Produktion eines in Zusammenarbeit mit Vertreter*innen aus Wissenschaft und Berufspraxis wissenschaftlich fundierten Leitfadens zum Sprachgebrauch im Kontext der Risiko-und Krisenkommunikation.

Leitung:

Prof. Dr. Stephan Habscheid, Universität Siegen

Projektmitarbeit:  

Dr. Sonja Sälzer (wissenschaftliche Mitarbeiterin)

Zitierte Literatur:

Efing, Christian / Karl-Hubert Kiefer (Hrsg.) (2018): Sprache und Kommunikation in der beruflichen Aus‐ und Weiterbildung. Ein interdisziplinäres Handbuch. Tübingen: Narr.

Habscheid, Stephan / Andreas P. Müller / Britta Thörle / Antje Wilton (Hrsg.) (2018): Handbuch Sprache in Organisationen. Berlin/New York: de Gruyter (= Handbücher Sprachwissen Band 14).